«Provenienz» in der Museologie bezeichnet die Herkunft der Sammlungsobjekte, «Provenienzforschung» die Erforschung ihrer Herkunftsgeschichten.
Als das Jüdische Museum der Schweiz 1966 als erstes seiner Art nach dem Krieg im deutschsprachigen Raum eröffnete, verfügte es zunächst nur über eine kleinere Sammlung von Judaica. Die Museumssammlung wuchs in den Jahrzehnten danach durch Leihgaben und Schenkungen, die dem Museum von Privatpersonen und Institutionen zur Verfügung gestellt wurden, sowie durch Ankäufe. Diese Judaica, die unser Museum bewahrt, erforscht, vermittelt und ausstellt, sind zentral für die Aufklärungsarbeit, die das Jüdische Museum der Schweiz zum Judentum leistete und weiterhin leistet. Sie bieten Einblicke in das jüdische religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Leben.
Dieses wurde während der Herrschaft der Nationalsozialisten (1933–1945) im Deutschen Reich und in den NS-besetzten Gebieten zerstört. Viele Kultusgegenstände, Bücher etc. wurden den Gemeinden oder Privatpersonen geraubt oder mussten von fliehenden Jüdinnen und Juden unter Druck verkauft werden. Zahlreiche Judaica wurden vor allem in den Kriegsjahren und in den Jahrzehnten danach in die Schweiz eingeführt, weil es dort einen stabilen Kunstmarkt gab, oft aber auch in der Hoffnung, sie an einen sicheren Ort zu bringen.
Inzwischen hat sich jüdisches Leben neu institutionalisiert, wo es während der NS-Zeit zerstört worden war. Zudem ist die Herkunft der Sammlungsobjekte in den Jüdischen Museen ins Blickfeld gerückt.
Aktuell untersucht unser Museum seine Sammlung auf Objekte, bei denen der Verdacht besteht, dass sie unter dem Druck der NS-Verfolgung den Besitz gewechselt haben oder über deren Verbleib zwischen 1933 bis 1945 nur wenige Informationen vorliegen. Die Provenienzforschung bietet dem Museum die Möglichkeit, die Geschichte solcher Objekte zu entschlüsseln und nach fairen und gerechten Lösungen zu suchen. Dies wird durch die Familie Guth-Dreyfus und insbesondere durch die Präsidentin des Vereins für das Jüdische Museum der Schweiz, Nadia Guth Biasini, unterstützt.
