Sammlung

Das Jüdische Museum der Schweiz beherbergt Objekte aus 2000 Jahren von Basel bis Riga, von Aleppo bis Eilat und von Spanien bis Südamerika. Sammlungsschwerpunkte sind Zeremonialobjekte aus Silber, rituelle Textilien aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert und Dokumente zur Kulturgeschichte der Jüdinnen und Juden in der Schweiz. Mit einer stetig wachsenden Gegenwartssammlung richtet das Museum den Fokus auch auf zeitgenössische Judaica, Alltagsobjekte, Kunst und Provenienz.

«Pro­ve­ni­enz» in der Museo­lo­gie bezeich­net die Her­kunft der Samm­lungs­ob­jek­te, «Pro­ve­ni­enz­for­schung» die Erfor­schung ihrer Herkunftsgeschichten.

Als das Jüdi­sche Muse­um der Schweiz 1966 als ers­tes sei­ner Art nach dem Krieg im deutsch­spra­chi­gen Raum eröff­ne­te, ver­füg­te es zunächst nur über eine klei­ne­re Samm­lung von Judai­ca. Die Muse­ums­samm­lung wuchs in den Jahr­zehn­ten danach durch Leih­ga­ben und Schen­kun­gen, die dem Muse­um von Pri­vat­per­so­nen und Insti­tu­tio­nen zur Ver­fü­gung gestellt wur­den, sowie durch Ankäu­fe. Die­se Judai­ca, die unser Muse­um bewahrt, erforscht, ver­mit­telt und aus­stellt, sind zen­tral für die Auf­klä­rungs­ar­beit, die das Jüdi­sche Muse­um der Schweiz zum Juden­tum leis­te­te und wei­ter­hin leis­tet. Sie bie­ten Ein­bli­cke in das jüdi­sche reli­giö­se, kul­tu­rel­le und gesell­schaft­li­che Leben. 

Die­ses wur­de wäh­rend der Herr­schaft der Natio­nal­so­zia­lis­ten (1933–1945) im Deut­schen Reich und in den NS-besetz­ten Gebie­ten zer­stört. Vie­le Kul­tus­ge­gen­stän­de, Bücher etc. wur­den den Gemein­den oder Pri­vat­per­so­nen geraubt oder muss­ten von flie­hen­den Jüdin­nen und Juden unter Druck ver­kauft wer­den. Zahl­rei­che Judai­ca wur­den vor allem in den Kriegs­jah­ren und in den Jahr­zehn­ten danach in die Schweiz ein­ge­führt, weil es dort einen sta­bi­len Kunst­markt gab, oft aber auch in der Hoff­nung, sie an einen siche­ren Ort zu bringen.

Inzwi­schen hat sich jüdi­sches Leben neu insti­tu­tio­na­li­siert, wo es wäh­rend der NS-Zeit zer­stört wor­den war. Zudem ist die Her­kunft der Samm­lungs­ob­jek­te in den Jüdi­schen Muse­en ins Blick­feld gerückt.
Aktu­ell unter­sucht unser Muse­um sei­ne Samm­lung auf Objek­te, bei denen der Ver­dacht besteht, dass sie unter dem Druck der NS-Ver­fol­gung den Besitz gewech­selt haben oder über deren Ver­bleib zwi­schen 1933 bis 1945 nur weni­ge Infor­ma­tio­nen vor­lie­gen. Die Pro­ve­ni­enz­for­schung bie­tet dem Muse­um die Mög­lich­keit, die Geschich­te sol­cher Objek­te zu ent­schlüs­seln und nach fai­ren und gerech­ten Lösun­gen zu suchen. Dies wird durch die Fami­lie Guth-Drey­fus und ins­be­son­de­re durch die Prä­si­den­tin des Ver­eins für das Jüdi­sche Muse­um der Schweiz, Nadia Guth Bia­si­ni, unterstützt.

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Highlights

Taschenuhr
aus la Chaux-de-Fonds

Diese Taschenuhr aus Silber und Messing wurde 1901 von Jules Levy in La Chaux-de-Fonds hergestellt, wie aus der Inschrift zu lesen ist: „Jules Levy. Chaux-de-Fonds. Tischri 5662. Mon cher oncle.“ Levys „lieber Onkel“ war Aron Rhein.

Tischri ist der ers­te Monat des jüdi­schen Kalen­der­jah­res, das zwi­schen Sep­tem­ber und Okto­ber beginnt. Die Stun­den­zif­fern wer­den hier durch hebräi­sche Zei­chen dar­ge­stellt, weil die Buch­sta­ben auch einen Zah­len­wert besit­zen. Die 1833 gegrün­de­te jüdi­sche Gemein­de von La Chaux-de-Fonds wuchs schnell und zähl­te rund 900 Mit­glie­der, als die loka­le Uhren­in­dus­trie um 1900 ihren Höhe­punkt erreichte.

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Lengnauer Mappot

Eine der umfangreichsten Sammlungen von Mappot wurde in den 1960er Jahren im Surbtal im Schweizer Kanton Aargau gefunden. Die 218 Wickelbänder, die auf der Frauenempore der Synagoge in Lengnau lagerten, erstrecken sich über drei Jahrhunderte.

Das ältes­te stammt aus dem Jahr 1655. 1967 wur­den die Wim­pel durch Flo­rence Gug­gen­heim-Grün­berg unter­sucht. Sie sind heu­te Teil der Samm­lung des Jüdi­schen Muse­ums der Schweiz.

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Toramantel
aus Endingen

Dieser Toramantel wurde 1967 im Lagerraum der Synagoge in Endingen (Aargau) gefunden und da er nicht mehr in Verwendung war, ins Museum übergeben.

Es han­delt sich bei dem Mate­ri­al um fran­zö­si­sche Sei­de des 18. Jahr­hun­derts, die ursprüng­lich als Damen­kleid, viel­leicht sogar als Hoch­zeits­kleid, ver­wen­det und spä­ter zu einem Tora­ma­n­tel umge­stal­tet wurde.

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Lichtdrucke
zum Ersten Zionistenkongress

Durch das Lichtdruckverfahren, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde, war es relativ einfach, Hunderte von Fotografien auf einmal herzustellen. Dieser Lichtdruck zeigt die 162 Teilnehmer des Ersten Zionistenkongresses, der 1897 in Basel stattfand.

Die über­wie­gen­de Mehr­heit der Teil­neh­men­den waren Män­ner, ver­ein­zelt nah­men aber auch eini­ge Frau­en teil, durf­ten aber nicht wäh­len. Ihre Fotos befin­den sich in der unters­ten Reihe.

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Pass
mit Judenstempel

Am 30. Dezember 1938 wurde der deutsche Pass von Agathe Süss mit einem „J“ gestempelt, um sie als Jüdin zu kennzeichnen, aus demselben Grund der zweite Vorname Sara eingefügt.

Da ihre Toch­ter mit einem Schwei­zer ver­hei­ra­tet war, konn­te sich die 63-Jäh­ri­ge ein Visum für die Schweiz beschaf­fen. Süss hat sich mit ihrem Schwie­ger­sohn in Basel nie­der­ge­las­sen und konn­te so dem Holo­caust entfliehen.

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