Glasrestauratorin Friederike Szlosze und Sammlungskuratorin Christina Meri im Atelier

Das Rosettenfenster aus der Synagoge Biel.

Das Rosettenfenster hing einst über Tora-Schrein in der Synagoge in Biel.

«Mein Ziel ist es, die Schäden so zu ergänzen, dass die Geschichte des Objekts erhalten bleibt.»

Friederike Szlosze über das Rosettenfenster aus Biel

2022 erhielt das Jüdi­sche Muse­um ein beson­de­res Geschenk der Syn­ago­ge Biel: Ein Roset­ten­fens­ter, das einst über den Tora-Schrein hing (JMS 2083). Glas­re­stau­ra­to­rin Frie­de­ri­ke Szlo­sze rei­nigt der­zeit das Objekt, kon­so­li­diert vor­han­de­ne Sprün­ge im Glas, restau­riert des­sen Fehl­stel­len und berei­tet es für die neue Aus­stel­lung vor. Muse­ums­mit­ar­bei­te­rin Elwira Spy­chals­ka besuch­te sie im Ate­lier und sprach mit ihr über Sprün­ge, Fehl­stel­len und Orna­men­te, die hebräi­sche Schrift nachahmen.

Elwira Spy­chals­ka: Lie­be Frau Szlo­sze, wie ord­nen Sie, als Restau­ra­to­rin, das Roset­ten­fens­ter ein?

Frie­de­ri­ke Szlo­sze: Die Rosette ist tech­nisch, farb­lich und gestal­te­risch beein­dru­ckend: Die Gesamt­kon­struk­ti­on besteht aus einem far­big gefass­ten Stahl­rah­men. Dar­in ein­ge­kit­tet sind 17 geätz­te bun­te Glas­fel­der, die in Schwarz­lot bemalt wur­den. Auf dem Fens­ter sind Orna­men­te, die nach hebräi­scher Pseu­do­schrift aus­se­hen. Sie schaf­fen einen Bezug zur Syn­ago­ge, die sie einst schmückten.

ES: Was ist Pseudoschrift?

FS: Pseu­do­schrift besteht aus Sym­bo­len und Zei­chen, die Schrift immi­tie­ren soll, in die­sem Fall eben hebräi­sche Schrift­zei­chen. Sie ist bei­spiels­wei­se in der Male­rei wie­der anzu­tref­fen. Ich kann­te sie bis­her nur aus der Lite­ra­tur und von Kon­fe­ren­zen. Bei die­ser Rosette sehe ich die Pseu­do­schrift zum ers­ten Mal «live». Sie ver­mit­telt den reli­giö­sen Kon­text, ohne expli­zit zu sein.

ES: Wie gehen Sie bei der Restau­rie­rung vor?

FS: Das Objekt war in einem schlech­ten Zustand, als es bei mir ankam, ver­schmutzt und mit Fehl­stel­len im Glas. Nach der Rei­ni­gung kom­men die Far­ben und die fei­ne Male­rei bes­ser zur Gel­tung. Mein Ziel ist es, die Schä­den so zu ergän­zen, dass die Geschich­te des Objekts erhal­ten bleibt, ohne die ori­gi­na­le Sub­stanz zu ver­lie­ren. Es geht dar­um, die Zeit­spu­ren sicht­bar zu lassen.

ES: Wie sehen Sie Ihre Auf­ga­be als Restauratorin?

FS: Glas­ob­jek­te sind glei­cher­mas­sen Kunst, Geschich­te und Tech­nik. Sie sind, wie ande­re Kunst­wer­ke auch, iden­ti­täts­stif­tend. Mei­ne Auf­ga­be ist es, deren Geschich­te zu bewah­ren und sicht­bar zu machen. Das ist ein krea­ti­ver und ver­ant­wor­tungs­vol­ler Pro­zess. Es geht nicht (nur) dar­um, das Objekt wie­der «hübsch» zu machen, wie vie­le mei­nen. Mir ist bei mei­ner Arbeit vor allem wich­tig, pri­mär kon­ser­vie­rend zu arbei­ten und die Objek­te so für wei­te­re Gene­ra­tio­nen zu erhalten.

ES: Vie­len Dank für den Ein­blick in Ihre Arbeit! 

verfasst am 03.06.2025