Foto: Martin Oravec
Nadia Guth Biasini, Vereinspräsidentin und Christina Meri, Sammlungskuratorin
Für den Umzug der Grabsteine danken wir Severin Steinhauser
Mittelalterliche jüdische Grabsteine
Mitte November 2025 wurden zehn Grabsteine, die vom Friedhof der ersten mittelalterlichen Gemeinde in Basel stammen, von der Kornhausgasse 8 an ihren neuen Standort an der Vesalgasse 5 gebracht. Dort können sie auch ausserhalb der Öffnungszeiten des Jüdischen Museums der Schweiz besichtigt werden.
Historischer Hintergrund
Spätestens um 1200 hat sich im mittelalterlichen Basel eine jüdische Gemeinde konstituiert. Die ersten Basler Jüdinnen und Juden stammten aus Städten am Oberrhein, mit denen Basel im Mittelalter wirtschaftlich, kulturell und politisch eng verbunden war. Die Synagoge der ersten jüdischen Gemeinde stand am ehemaligen Rindermarkt, bei der heutigen Gerbergasse 14. Die meisten der von jüdischen Familien bewohnten Häuser befanden sich in unmittelbarer Nähe der Synagoge, zwischen dem heutigen Barfüsserplatz und dem Marktplatz. Jüdische und christliche Familien wohnten hier, im Herzen von Basel, Haus an Haus.
Der Friedhof der jüdischen Gemeinde lag ausserhalb der Stadtmauern, im Bereich des heutigen Kollegienhauses der Universität Basel am Petersplatz. Urkundlich erwähnt wurde er das erste Mal in einer Verkaufsurkunde des Stiftes St. Peter im Jahr 1264.
Im Januar 1349 fand ein Pogrom in Basel statt, bei dem die Mitglieder der ersten jüdischen Gemeinde, derer man habhaft werden konnte, auf einer Insel im Rhein verbrannt wurden. Basler Adlige, die bei jüdischen Geldverleiher:innen verschuldet waren, hatten ihre Anhängerschaft mobilisiert und im Nachhinein zu ihrer Rechtfertigung behauptet, Jüdinnen und Juden hätten die Brunnen vergiftet und seien daher für den Ausbruch der Pest verantwortlich. Der jüdische Friedhof war verwaist, das Gelände für das Areal des Kornhauses vorgesehen. Die Grabsteine, die aus hochwertigem rotem Sandstein angefertigt worden waren, wurden zur Abdeckung der Kontermauer zugeschnitten. Beim Abbruch der Stadtmauern im 19. Jahrhundert wurden diese Steine wiederum als Baumaterial verwendet. Einige der Grabsteine und Grabsteinfragmente wurden im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts geborgen und dem Historischen Museum Basel übergeben, jedoch tauchen bis heute bei Bauarbeiten an der Basler Infrastruktur weitere Grabsteinfragmente auf, die von der Archäologischen Bodenforschung Basel aufbewahrt werden.
verfasst am 24.11.2025





