Ariel Reichman, Foto:Jörg Dedering
Ariel Reichman, Open the gates of Heaven, Berlin 2025, JMS 2250
Ariel Reichman, Open the gates of Heaven, Berlin 2025, JMS 2250
Ariel Reichman
Öffne die Himmelstore
JMS: Herr Reichman, Ihr Werk «Open the gates of Heaven», das hinter-leuchtet an der Decke hängt, zeigt Muster ritueller Textilien aus der Samm-lung des Jüdischen Museums der Schweiz. Weshalb wählten Sie Textilien?
Ariel Reichman: Sie verkörpern eine tiefe Verbindung zwischen Glauben, Tradition und künstlerischem Ausdruck. Diese Textilien erfüllen nicht nur praktische rituelle Funktionen, sondern spiegeln auch die kulturelle Identität, die Werte der Gemeinschaft und das Konzept des Hiddur Mizwa wider – die Verschönerung religiöser Gebote. Der Tora-Mantel hat eine praktische Funktion. Er schützt die Schriftrolle vor Staub und Beschädigungen. Aber er verkörpert auch die Ehrfurcht vor dem göttlichen Wort und drückt die spiri-tuelle und kreative Hingabe der Gemeinschaft aus. Familien gaben Mäntel in Auftrag oder spendeten, sie zum Gedenken an geliebte Menschen oder zur Feier von Lebensereignissen wie Hochzeiten oder Geburten.
JMS: Sie haben die Motive auf Pergament gemalt, das von einem israelischen Tora-Rollen-Hersteller produziert wurde. Wie verhält sich Ihr Werk zum «heiligen» Material?
Ariel Reichman: Für mich war es wichtig, koscheres Pergament als Malgrund zu verwenden. Diese Rollen werden in einer faszinierenden Werkstatt her-gestellt, die sich dem Schreiben der Tora und anderer heiliger Texte widmet. Das Material ist sehr empfindlich. Ich wollte die Aufmerksamkeit auf seine physischen und spirituellen Eigenschaften lenken und seine Beziehung zur historischen Tora-Rolle hervorheben, die im Ausstellungsraum zu sehen ist. Auf metaphysischer Ebene strahlen die Pergamente eine erhöhte Heiligkeit aus, die sich aus dem sorgfältigen Herstellungsprozess und ihrer Bestimmung als Träger heiliger Worte ergibt.
JMS: In der Vergangenheit waren Ihre Arbeiten ausgesprochen politisch. Ich denke an Ihre Lichtinstallation «I AM SAFE / I AM NOT SAFE» für das Mishkan Museum in Israel. Ihre Arbeit für Basel ist wunderschön und ästhetisch – aber ist sie auch politisch?
Ariel Reichman: Jedes Kunstwerk ist, meiner Meinung nach, politisch.
verfasst am 18.11.2025

Franziska Rogger über einen Meilenstein der Schweizer Bildungspolitik




